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Ein Wolf?

Gestern hat mich am frühen Morgen mein Nachbar angerufen: meine Schafe seien am Weiden.

Eigentlich sind sie im Stall. Die Tür ist offen, sie können raus und am Brunnen frisches Wasser trinken. Der Aussenbereich ist mit einem Gitter abgegrenzt. Sie können also nicht auf die Wiesen.

Auf dem Gitter ist kein Strom. Ein Wolf könnte also, im schlimmsten Fall, reinspringen.

Rasch mache ich mich auf den Weg. Ich höre zwei Krähen über meinem Stall. Das kann zwei Dinge bedeuten: sie haben Beute und informieren einander, wie sie das so machen. Oder sie freuen sich, weil ich vielleicht den Kompost mitbringe. Etwas unruhiger werde ich durch ihre Schreie.

Immer wieder geht man so in Richtung der Tiere: mit dieser Anspannung, dass etwas passiert sein könnte. Dass eines oder mehrere meiner Schafe jetzt tot daliegen, halb gefressen oder auch nur halb getötet.

Ich sehe die Schafe nirgends. Vielleicht sind sie total versprengt worden! Mein Nachbar hat aber gesagt, dass sie weiden, und das tönt nicht nach Unruhe, Rennen, sondern nach gemütlichem Fressen. Also weiter, hoch, zum Stall.

Ich komme beim Stall an. Da sind sie! Während sie mich sehen und zu mir herkommen, kann ich zählen: 13! Alle da! Erleichterung!

Sie kommen sofort und von alleine in den Stall hinein, damit sie gefüttert werden können. Ganz dankbar, dass sie noch leben und dass sie auch so brav sind, kann ich jetzt meine Arbeit machen.

Weider einmal hat meine Dankbarkeit auch mit all den Leuten da draussen zu tun, die für uns Bauern dafür sorgen, dass der Wolf jetzt vor den Menschen Angst hat. Die Zeit, als die Wölfe hier herumgelaufen sind wie Spaziergänger ist vorbei. Wir sehen sie nicht mehr, sie haben Angst vor uns. Und so können wir uns auch darüber freuen, dass es sie gibt.