Ein „Einmaliges Angebot“: Erlebnisbericht
Nach einigen Aufenthalten, die ich mit Familie oder auch alleine in Mont bei Vreni verbracht habe, entstand der Wunsch, mich aktiv an der Arbeit von ihr zu beteiligen.
So habe ich mich auf das „Einmalige Angebot“ heuen und wohnen zum halben Preis gemeldet. Während einer Woche ging es dem Wetter entsprechend jeden Morgen um ca. 6:30 los. Wir machten uns gemeinsam auf Richtung steile Berghänge und ich wurde von Vreni in verschiedene Tätigkeiten eingeführt.
Sie mähte das Gras mit der Sense und ich zettete mit der Heugabel: das frisch gemähte Gras musste gelockert und etwas tiefer den Hand hinunter geworfen werden. Die Arbeit war nicht schwierig, herausfordernder war es, in der steilen Wiese immer wieder aufs neue festen Stand zu erlangen!
Am Nachmittag wurden die am Vortag gemähten Abschnitte mit den Holzrechen zusammengerecht und in ein Heutuch gebunden. Man kann gar nicht glauben, welche Menge an Heu in so einem Tuch Platz hat, und welch manuelle Geschicklichkeit es braucht, bis das Heu dann im Stall versorgt ist. Gutes Schuhwerk ist bei all diesen Tätigkeiten am Hang unverzichtbar und sehr wichtig.
Bei jedem dieser Arbeitsgänge fanden wir Schnecken, lebende, die wir in den Schatten warfen, und ausgetrocknete. Ja, sogar eine Schwalbenschwanz Raupe habe ich entdeckt, die sich wunderbar tarnen kann in den Gräsern der Wiese, um nicht gefressen zu werden. Beim Mähen mit der Sense werden Schnecken, Raupen, Heuschrecken und Schmetterlinge, Eidechsen und Blindschleichen selten verletzt und werden geschont.
An einem weniger steilen Hang konnte ich dann jeweils auch üben, mit der Sense zu mähen. Diese wird immer wieder mit einem Schleifstein und einem Gemisch aus Wasser und etwas Essig geschliffen. Wichtig ist beim Mähen, wie ich gelernt habe, dass man sich bis in die Spitze des Sensenblattes denkt und mit der Bewegung des Oberkörpers in einen Rhythmus kommt, wo man von oben nach unten einen Halbkreis durch das Gras zieht.
Gar nicht so einfach, aber man hat schnell etwas Übung und die Schnitte werden besser.
Erholungspausen, ein Ausflug auf die Alp und Vollmondimpressionen vom Balkon des Hausstalles aus haben das Programm dieser Woche, die wie im Flug verging, erweitert.
Wer immer im Alltag stecken geblieben ist und sich nach einer Besinnungspause der anderen Art sehnt, dem kann ich dieses Erlebnis wärmstens empfehlen. Ich bin zufrieden und ausgeglichen nach Basel zurückgekehrt, um schöne Erfahrungen in der Natur der Bündner Berge reicher.
